1990

Anrudern bei Turbine 1990. Foto: Kurt Mihatsch
Nachdem also die Mauer gefallen war, hinderte uns niemand, auch auf der Ostsee zu rudern. Der Traum wurde wahr: wir konnten in diesem Jahr um die schönste und größte deutsche Insel, um Rügen, rudern. In Binz gestartet, ruderten Helma Westphal und Klaus Westphal in Richtung Stubbenkammer, und sie bezwangen bei Regen und Sturm am 2. Tag Kap Arkona, erreichten Dranske, Ummanz, Hiddensee, den Greifswalder Bodden und landeten am 7. Tag wieder in Binz.
09.11.1990
An diesem Wochenende findet zum ersten Mal die Wiedervereinigungsfahrt der Herren mit Teilnehmern aus Rudervereinen der ehemaligen Ost- und Westteile Berlins statt. Daran beteiligen sich auch Turbineruderer, unter ihnen Wolfgang Nehls, der auch späterhin immer wieder die Fahrt mitmacht. Sie wird in verschiedenen Bootsklassen gefahren und erschließt unterschiedliche Ruderreviere in Berlin und Brandenburg.
1990 - 1994
1990 erfolgt die Umbenennung des VEB Energiekombinat Berlin in Energieversorgung Berlin AG (EBAG). Die EBAG ist nunmehr der Eigentümer des Bootshauses, das wir weiterhin für die Ausübung des Rudersports nutzen können. Die anfallenden Betriebskosten übernimmt die EBAG, sie stellt auch einen Hausmeister. 1994 wird die EBAG in die (Westberliner) BEWAG eingegliedert.
1992

Das Bootshaus in Berlin-Grünau,
Regattastraße 183/185.
Foto: H. Thiergärtner
Die bisherige Trainingsgemeinschaft Turbine BEWAG/ EKB-Treptow und Turbine Wasserwerke", mit maximal 60 Mitgliedern stets zur kleinsten Gruppe der Rudersektionen im DRSV der DDR gehörend, kann eine stolze Bilanz vorlegen. Neben den Erfolgen der Wanderruderer gab es in den letzten vier Jahrzehnten über 300 Siege durch unsere Rennruderer. Die Ruderer können aber auch über weitere Erfolge im Vereinsleben berichten:
An den Schwimmwettkämpfen der Ruderer nahmen wir regelmäßig teil, es gab in den Wintermonaten Skatabende, Kegel- und Bowlingturniere. Über viele Jahre fuhren wir zum Skilanglauf nach Tellerhäuser im Erzgebirge. Tradition hat seit 1988 das Eisbeinessen im Februar, organisiert von Reinhard Kelle. Weiterhin gab es viele Feiern und fröhliche Feste.
Ein wesentlicher Bestandteil des Vereinslebens ist die schon angedeutete Bootsüberholung in den Wintermonaten. Hier wurden von allen Mitgliedern tausende Arbeitsstunden aufgebracht, um die Boote für die nächste Rudersaison vorzubereiten und dabei finanzielle Ausgaben einzuschränken. Gäste, die bei Turbine ruderten, lobten stets das hervorragend gepflegte Bootsmaterial. Es hat sich eingebürgert, die Turbineboote nach deutschen Flüssen und anderen Gewässern zu benennen. So haben mehrere kleine Flüsschen ihre Ehrung erhalten und wir finden mit der Panke, der Erpe und der Wuhle auch drei Gigboote, die nach späteiszeitlichen Rinnsalen im Berliner Stadtgebiet benannt sind.
* * *
12.03.1992
Für die Turbineruderer beginnt mit diesem Tag eine neue Ära: Gemeinsam mit den im Bootshaus in Grünau ansässigen Seglern der bisherigen BSG Turbine EKB Treptow erfolgt die formelle Gründung des Ruder- und Yachtclubs Turbine e.V. Berlin (RYCTB).
26.03.1992

Siegfried Winter
17.07.1992
Die Fédération Internationale des Sociétés d'Aviron (FISA) widmet das 100. Rudertreffen der deutschen Wiedervereinigung und richtet es in Berlin aus. Etwa 1000 Teilnehmer rudern heute in den unterschiedlichsten Bootsklassen annähernd 40 km von verschiedenen Vereinen an der Havel im Westteil der Stadt über die Spree zu verschiedenen Vereinen an Spree und Dahme im Ostteil Berlins. Eingesprengt unter ihnen nehmen auch mehrere Turbineruderer daran teil. Die Spree in Berlin ist an diesem Tag für alle anderen Schiffe gesperrt. Die Fahrt ist ein großartiges Erlebnis: zum einen wegen der zahlreichen Teilnehmer, die die Spree mit ihren Booten regelrecht übersähen, sich an der Mühlendammschleuse in der Stadtmitte stauen und miteinander ins Gespräch kommen; zum anderen, weil die Stadtdurchfahrt über Jahrzehnte verboten war und dem Vernehmen nach auch in den folgenden Jahren nicht wieder zugelassen werden soll.
1993 - 1995
Mit der Eingliederung der EBAG in die BEWAG geht nun auch das Grundstück mit dem Bootshaus in der Regattastraße 183/185 wieder an die BEWAG. Den hiesigen Sportbetrieb soll die BEWAG gemäß Einigungsvertrag zwar bis zum Jahr 2004 aufrechterhalten. Anschließend müssten aber die Bedingungen für die Fortführung des Ruderbetriebes im Bootshaus der BEWAG zwischen Grundstückseigentümer und RYCTB neu ausgehandelt werden, oder wir müssen das Bootshaus räumen. Wegen der Betriebskostenabrechnung gibt es erste Differenzen mit der BEWAG, aber auch intern mit den Seglern. All diese Probleme belasten uns ziemlich, und es wird viel über die zukünftige Ausübung unseres geliebten Rudersports diskutiert. Eines aber bleibt unumstößlich: das Turbinerudern hat eine so erfolgreiche Tradition, dass es nicht in Frage gestellt werden wird. Ein Anschluss an einen anderen Ruderverein, der uns freundlicherweise mehrfach angeboten wurde, wird von fast allen Mitgliedern ausgeschlossen.
1993
Einer Einladung während des 100. FISA-Treffens folgend, beteiligen sich mehrere Turbineruderer an einer Fahrt auf dem Zürichsee. Das ist einmal etwas ganz anderes als das Rudern im Flachland und weckt den Wunsch nach weiteren Fahrten im Bereich der Alpen.
1995
Zum ersten Mal erscheint unsere Clubzeitung Turbo". Sie erscheint ab jetzt jährlich und enthält Berichte sowie wichtige Informationen aus dem Vereinsleben.
Unsere Wanderfahrten führen uns nun in sämtliche Ruderreviere Deutschlands, aber auch in andere europäische Länder, eben überall dorthin, wo es Spaß macht, zu rudern. Es ist nur noch eine Frage der Organisation und Finanzierung und nicht mehr der politischen Grenzen, ob eine Fahrt unternommen werden kann oder nicht. Mit der neuen Freiheit eröffneten sich für uns neue Möglichkeiten, andere Gewässer und Ruderkameraden kennen zu lernen. Die Fahrten zu den jährlichen Wanderrudertreffen brachten uns allen viele neue Eindrücke und Erlebnisse. Die Entfernungen vom Bootshaus wurden immer größer und wir ruderten auf Rhein, Mosel, Neckar, Weser, Ems und Bodensee. Es zog uns schließlich bis nach Holland, Dänemark, Schweden, Österreich, die Schweiz und Italien.
Unsere Wanderfahrten führen uns nun in sämtliche Ruderreviere Deutschlands, aber auch in andere europäische Länder, eben überall dorthin, wo es Spaß macht, zu rudern. Es ist nur noch eine Frage der Organisation und Finanzierung und nicht mehr der politischen Grenzen, ob eine Fahrt unternommen werden kann oder nicht. Mit der neuen Freiheit eröffneten sich für uns neue Möglichkeiten, andere Gewässer und Ruderkameraden kennen zu lernen. Die Fahrten zu den jährlichen Wanderrudertreffen brachten uns allen viele neue Eindrücke und Erlebnisse. Die Entfernungen vom Bootshaus wurden immer größer und wir ruderten auf Rhein, Mosel, Neckar, Weser, Ems und Bodensee. Es zog uns schließlich bis nach Holland, Dänemark, Schweden, Österreich, die Schweiz und Italien.
01.02.1996

Wilfried Tetzlaff
Mit seiner Wahl wird der Vorstand deutlich verjüngt. Überhaupt ist die Altersstruktur der Vereinsmitglieder schon seit einiger Zeit nicht mehr optimal. Viele unserer Ruderer haben inzwischen das Rentenalter erreicht oder sie sind vorzeitig aus dem Arbeitsleben entlassen worden. Die mittleren" Jahrgänge sind zwar vertreten, aber unterrepräsentiert.
Große Anstrengungen sind nun und in Zukunft notwendig, um insbesondere junge Menschen an die regelmäßige Sportausübung im Verein heranzuführen: die neue Zeit stellt gerade an sie hohe Anforderungen an Ausbildung und Flexibilität und sie scheint nicht gerade geschaffen dafür zu sein, dass man sich über Jahre hinweg an einem Ort einer bestimmten Sportart widmen kann. So werden zwar durch großen Einsatz vor allem unserer vereinstreuen" jungen Ruderinnen und -ruderer immer wieder Jugendliche zu Schnupperkursen und Mitgliedsbeitritten gewonnen, aber viele von ihnen räumen auch schnell wieder das Feld.
12. - 23. Juni 1996
Der Deutsche Ruderverband führt eine Wanderfahrt in Irland durch, an der auch unsere Ruderkameraden Wolfgang Nehls, Christel Arndt und Wolfgang Arndt teilnehmen. Die Tour auf dem Shannon, dem größten nichtbegradigten Fluss Europas sowie dem längsten Irlands und Großbritanniens, beginnt für 18 Ruderinnen und Ruderer in Carrick on Shannon und endet nach 263 km ohne Regen in Killaloe.
06.03.1997
Die Zusammenarbeit mit der Sektion Segeln im RYCTB hat sich nicht wie gewollt entwickelt. Deshalb, aber auch wegen der nicht lösbaren Differenzen mit der BEWAG, gründen die Ruderer heute einen neuen selbständigen Verein, den Ruderclub Turbine Grünau e. V. (RCTG). Gleichzeitig damit verbunden ist die Wahl eines neuen Vorstandes, dem der Ruderkamerad Wilfried Tetzlaff vorsteht. Da der Name Turbine Berlin" von den ehemaligen Turbine-Handballern bereits belegt wurde, mussten wir in der Ortsbezeichnung auf Grünau" ausweichen. Das tut der Traditionspflege indes keinen Abbruch, denn während es in der Großstadt Berlin über sechzig Rudervereine gibt, so hat Berlin doch nur das eine olympische Ruderrevier, nämlich Grünau.
1997
Die Ruderer des RCTG ziehen um in das Bootshaus Regattastraße 237. Es liegt direkt an der Grünauer Regattastrecke. Auf dem Gelände lastet zur Zeit ein einigungsbedingter Restitutionsanspruch des Akademischen Rudervereins (ARV), der noch zu klären sein wird. Das stattliche Bootshaus samt seiner Nebenanlagen gehört zu einem denkmalgeschützten Sportensemble, das im Unterschied zu anderen Berliner Wassersportanlagen nicht bzw. nicht ohne weiteres veräußert oder zweckentfremdet werden darf.
20.06.1997

Turbineruderer auf dem Mälarsee in Stockholm: Vor dem königlichen Schloss Drottningholm ... Foto: RCTG

... und vor dem Stadthaus (hier werden
die Nobelpreise vergeben).
Foto: RCTG
Organisiert von Peter Möller, führt eine Wanderfahrt für eine Woche nach Stockholm zum Mälarsee.
15 Turbineruderer beteiligen sich an dieser Fahrt.
Wir nehmen unsere eigenen Boote mit: es sind vier Zweier mit Stm., somit haben immer drei Ruderer Landdienst, und sie können in aller Ruhe die herrliche Stadt besichtigen.


